Wie kam es zur Gründung der MASK

Wie kam es zur Gründung der MASK

 

Als Initiator und Teil der MASK (MännerAnlaufstelle bei SchwangerschaftsKonflikten) habe ich persönlich auch des Öfteren die Aufgabe und Ehre, Männer durch die Tage des Verunsicherung aufgrund der Nachricht der Schwangerschaft der Frau zu begleiten. Ja, es ist eine Ehre. Es ist kein 40 Stunden Job, sondern eine selbstgewählte Aufgabe.  Die Idee entstand im Jahre 2007 anlässlich einer Fernsehdiskussion zum Thema Schwangerschaftsabbruch, in deren Rahmen die Standpunkte der unterschiedlichen Interessenvertretungen und Beratungseinrichtungen aufeinander prallten.

Die Beratungskolleginnen der Aktion Leben, welche in ihrer Arbeit jene Frauen unterstützen, die in der Schwangerschaftskonfliktsituation Begleitung und rat brauchen waren ebenso anwesend, wie auch Vertreter der „Männerpartei“ oder der „pro-choice“-Bewegung. Mir fiel damals neben der emotional aufgeheizten Stimmung unter anderem auch auf, dass zwar die werdenden Mütter in der Aktion Leben gute Beratungs- und Unterstützungsangebote fanden, die Männerrolle jedoch auf jene des Opfers oder Aggressors reduziert wurde. Der Bedarf an Beratungen für jene Männer, die sich im emotionalen Vakuum nach der Eröffnung „ich bin schwanger“ befanden, konnte zu diesem Zeitpunkt wohl primär durch die Schwangerschaftskonfliktberaterinnen der diversen Familienberatungsstellen gedeckt werden.

Der Gedanke entstand damals, dass Männer in jener – doch recht heiklen und höchstpersönlichen Situation – möglicherweise auch manchmal mit Männern sprechen wollten.

meine persönliche berufliche Herkunft

Nachdem ich damals auch als Beratungsjurist in der Familienberatung,  der Kontaktstelle für Alleinerziehende [1]und als Konsulent der ÖPA (Österreichische Plattform für Alleinerziehende)[2] tätig war, kannte ich die Problematik auch von der  beratenden, juristischen Seite her gut.

Ich rede dabei nicht von jenen Beratungen, welche meine Kolleginnen mit den Müttern und Vätern auf psychosozialer Eben durchgeführt haben und auch nicht von jenen jungen Erwachsenen, die sich aufgrund einer suboptimalen Elternbeziehung an uns gewendet haben und immer noch wenden.
Als Jurist beziehe ich mich ausschließlich auf jene Beratungen, in welchen es im konfliktbeladene Fragen zum Kindesunterhalt, zur Obsorge und zum Kontaktrecht ging.

Ja, das Kind hat Recht auf Unterhalt, auf Kontakt und darauf, dass zumindest ein (besser noch beide) Elternteil(e) Ihren Job als Erziehungsverpflichtete gut machen. Diesem Anspruch nachzukommen ist wahrlich nicht einfach, selbst wenn die Eltern im besten Einvernehmen sind. Umso schwieriger gestaltet sich die Aufgabe, wenn die Atmosphäre zwischen Vater und Mutter belastet ist, wobei die allererste Reaktion des Mannes auf die Nachricht der Schwangerschaft diesbezüglich oftmals eine wesentliche Rolle spielt.
Von der Annahme geleitet, dass Männer ebenso wie Frauen grundsätzlich den Konsens über den Konflikt stellen wollen, manchmal jedoch durch mangelhafte Informationen oder schlicht den Mangel an Gesprächsmöglichkeiten ins sprichwörtliche Eck gedrängt werden kristallisierte sich das Ziel heraus, eine Anlaufstelle für den Fall des Schwangerschaftskonfliktes zu schaffen.

Selber Jurist und Mediator fehlte mir schon alleine aufgrund meiner Gewerbeberechtigung die Möglichkeit, diese Beratung alleine entgeltlich anzubieten, doch war dies von Anfang an nie mein Ziel gewesen. Die MASK war und ist immer noch als Non-Profit Initiative konzipiert, die Homepage selber auf eigene Kosten erstellt und auch dieses Buch wird privat vorfinanziert und erscheint im Eigenverlag. Jenen KollegInnen, welche mir bei der Vorstellung des Grundgedankens der Männer-Schwangerschaftskonfliktberatung antworteten, dass ich ja keinerlei Beraterausbildung hätte, konnte ich wie folgt antworten:

„Ihr habt vollkommen recht, ich bin kein Familienberater, ich bin nur Jurist und Mediator, doch habe ich die Ehre, nun schon sehr langen Jahren mit Euch an den diversen Beratungsstellen zu sitzen und  Eure Fähigkeiten zu erleben und so eine unglaublich wertvolle Weiterbildung zu erfahren. Darüber hinaus bin ich ja nicht als Berater, sondern als Initiator der MASK nur Anlaufstelle und leite die Anfragen weiter. Ich plaudere dann gerne mit den Fragestellern, wenn diese es ausdrücklich wünschen, jedoch niemals in einem beruflichen Setting, sondern vielmehr von Mann zu Mann. Nur, wenn meine berufliche Meinung als Mediator gefragt ist, berührt die MASK auch meine berufliche selbständige Tätigkeit. Darüber hinaus habe ich doch auch schon in meiner Arbeit bei Gericht und der Familienberatungsstelle Purkersdorf die Erfahrung gemacht, dass Männer gelegentlich lieber zum Juristen kommen, um sich hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zu erkundigen, statt als erstes einen Termin mit der Familienberaterin auszumachen. Im Fokus steht die Klientin bzw. der Klient und ihre/seine Bedürfnisse, nicht die Person des Beraters bzw. der Beraterin.“

Um neben den wertvollen Beratungsstellen für schwangere Mütter[3] auch Männern eine Möglichkeit zu bieten, die erste Überforderung einem Mann gegenüber zu verbalisieren, lag der Gedanke nahe, diverse bestehende Beratungsstellen zu vernetzen und zum Netzwerk der MASK zu vereinen.
Nachdem mir die ergebnisoffene Beratung und somit auch die weltanschauliche, politische und religiöse Neutralität sehr wichtig war, musste ich Angebote von diversen Trägervereinen ausschlagen und gründete die MASK als private Initiative, was in weiterer Folge nicht ganz unbeträchtliche Folgen finanzieller und zeitlicher Natur mit sich brachte, die ich jedoch gerne in dieses – mir persönlich sehr wichtige – Projekt stecken wollte.
In weiterer Folge bildeten sich dann auch selbständige Initiativen heraus, welche die Begleitung Unterstützung von werdenden Vätern zum Ziel haben.

Ziel der Beratung

Die Ergebnisoffenheit ist ein wesentlicher Aspekt der Beratung. Grundsätzlich hat die persönliche Meinung des Beraters im Beratungssetting keinen Platz. Viel mehr gibt der Klient die Ziele und Inhalte vor, welche dann mit den Tools der Berater zu erreichen sind. Insbesondere geht es beim Thema des Schwangerschaftskonfliktes nicht um Wertungen bezüglich eines potentiellen Abbruches, sondern primär um eine konsensorientierte Unterstützung des Mannes, wobei sich der Konsens auf einen gemeinsamen Weg mit der Frau bezieht. Nachdem die schwangere Frau im Endeffekt das letzte Wort hinsichtlich des Embryos hat, gilt es, den Mann in der ersten Emotion abzuholen und ihm in den ersten Tagen beizustehen. So kann oftmals verhindert werden, dass die Frau die erste Panikreaktion abzufangen hat, beziehungsweise kann daran gearbeitet werden, dass erste Aussagen relativiert werden. Welche Form des Konsenses sich hier entwickelt ist sekundär.
Der Mann hat alleine durch seine Reaktion auf die Nachricht der Schwangerschaft eine große Einflussmöglichkeit auf den Fortgang der Ereignisse. Reagiert er erfreut, wird er wohl in die weiteren Schritte jederzeit eingebunden, eine neutrale Haltung hält den Spielraum für eine Entscheidungsfindung offen, während aber eine negative Reaktion die Kommunikation zwischen Mann und Frau massiv beeinträchtigt. Der Mann kappt gleichsam durch eine negative Erstreaktion die Leitung zur Frau, die dann erst wieder neu aufgebaut werden muss. Diese Wiederherstellung der Kommunikation ist oftmals auch das Thema in der Beratung.

Wie dann die beiden den weiteren Verlauf gestalten ist nicht mehr Sache der MASK. Freilich kann aber bei Bedarf aufgrund der vielfältigen in der MASK verbundenen Professionalsten Unterstützung in fast jeder Lage geboten werden. So hat sich des gezeigt, dass der Kontakt zu Familienberatungsstellen bzw. Mediatoren gerne von den Klienten genutzt wird.

Wer sind die Berater

Nachdem sich das Netzwerk der MASK zu einem großen Teil aus Männerberatungsstellen in fast ganz Österreich zusammensetzt, sind die Gesprächspartner primär Kollegen aus diesen Stellen. In manchen Stellen besteht auch die Möglichkeit, Beraterinnen zu konsultieren, welche basierend auf ihrer Ausbildung und Erfahrung auch den weiblichen Standpunkt einbringen können, so es dem Gespräch zweckdienlich ist. In Wien und Kärnten stehen auch Mediatoren als Ansprechpartner zur Verfügung, der Initiator und Autor dieser Zeilen ist selber Mediator und Beratungsjurist in Familienberatungsstellen und steht freilich auch bei Bedarf bereit.

Unabhängigkeit der MASK

Wenngleich sich in der Anfangszeit eine Kooperation mit einem Beratungsträger abzeichnete, so steht die MASK seit 2009 ohne Trägerorganisation auf eigenen Beinen. Es existieren keine externen Vorgaben, wie zu beraten wäre, die Berater sind ausschließlich den Klienten verpflichtet.

Förderungen

Die MASK als Plattform erhält keinerlei Förderungen und ist eine Privatinitiative des Autors. Sämtliche Kosten für Webauftritt und Werbematerialien wurden privat finanziert, um die Unabhängigkeit erhalten zu können und keinen externen Richtlinien entsprechen zu müssen. Die Qualität der Beratung wird durch die vernetzten Beratungsstellen und Vereine sichergestellt, welche (schon alleine um die Kostenschwelle niedrig zu halten) Förderungen erhalten und daher auch den Qualitätsrichtlinien der Fördergeber entsprechen müssen.

Kosten
Die Arbeit der MASK als Netzwerk ist nicht gewinnorientiert, die einzelnen vertretenen Beratungsstellen sind zum großen Teil gefördert und bieten daher Beratung gegen freiwillige Kostenbeiträge an.  Jene BeraterInnen, die sich als Selbständige dem Netzwerk angeschlossen haben, haben zugesagt, den Klienten in der Honorargestaltung entgegen zu kommen.

[1] http://www.alleinerziehende.at

[2] http://www.alleinerziehende.org/

[3] z.B. http://www.aktionleben.at/ oder auch die bereits erwähnten Familienberatungsstellen FN 10